Jeder Rauchstopp zÀhlt: KAGes-Experten warnen vor neuen Nikotinfallen
Zum Weltnichtrauchertag am 31.05.2026 zeigt die SteiermĂ€rkische Krankenanstaltengesellschaft m.b.H. (KAGes), warum sich der Weg aus der NikotinabhĂ€ngigkeit in jeder Lebensphase lohnt â und warum neue Nikotinprodukte den Ausstieg nicht ersetzen.
Wie der im April 2026 veröffentlichte Epidemiologiebericht Sucht 2025 der Gesundheit Ăsterreich GmbH beschreibt, bleibt Nikotin die am weitesten verbreitete Suchtform in Ăsterreich. Rund 24 Prozent der Bevölkerung konsumieren tĂ€glich Rauchwaren, elektronische Inhalationsprodukte oder rauchfreie Nikotinerzeugnisse. Langfristig nimmt Tabakrauchen zwar stark ab, gleichzeitig steigt jedoch der Konsum neuer Nikotinprodukte.
Besonders deutlich zeigt sich diese Verschiebung bei Jugendlichen: 15 Prozent der 15-JĂ€hrigen konsumieren tĂ€glich ein nikotinhaltiges Produkt â unabhĂ€ngig davon, ob es sich um Zigaretten, E-Zigaretten oder Nikotinbeutel handelt.
Prim. Dr. Martin Ecker, Leiter des Zentrums fĂŒr Suchtmedizin am LKH Graz II schildert: âGerade bei Jugendlichen ist Suchtvorbeugung besonders wichtig, weil das Gehirn in dieser Lebensphase noch in Entwicklung ist und Nikotin rasch abhĂ€ngig machen kann. Neue Nikotinprodukte wie E-Zigaretten, Tabakerhitzer oder Nikotinbeutel werden oft als harmlos dargestellt, bergen jedoch ein erhebliches Suchtpotenzial. Entscheidend sind daher eine frĂŒhe AufklĂ€rung, die StĂ€rkung der Gesundheitskompetenz sowie klare gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die Kinder und Jugendliche vor Werbung, Social-Media-Inhalten und leichter VerfĂŒgbarkeit schĂŒtzen. Wichtig ist auch, Jugendliche nicht mit Angstbotschaften â die oft kontraproduktiv wirken â sondern mit glaubwĂŒrdiger Information und einem offenen Dialog zu erreichen.â
Rauchen schĂ€digt weit ĂŒber die Lunge hinaus
Im Jahr 2023 starben in Ăsterreich 2.366 MĂ€nner und 1.770 Frauen infolge eines Bronchialkarzinoms, groĂteils durch Tabakrauchen verursacht; 23 Prozent der Verstorbenen waren unter 65 Jahre alt.
Prim. Dr. Otmar Schindler, Leiter der Abteilung fĂŒr Innere Medizin und Pneumologie am LKH Hochsteiermark, Standort Bruck betont: âViele unserer Patienten kommen wegen Problemen, die direkt mit ihrem langjĂ€hrigen Rauchverhalten in Zusammenhang stehen. Insbesondere Lungenkrebs ist trotz verbesserter Therapiemöglichkeiten nach wie vor die am hĂ€ufigsten zum Tode fĂŒhrende Krebserkrankung. Die COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) fĂŒhrt hĂ€ufig zu einer deutlichen EinschrĂ€nkung der LebensqualitĂ€t und der Notwendigkeit, neben Medikamenten auch eine permanente Sauerstofftherapie oder nĂ€chtliche BeatmungsunterstĂŒtzung anzuwenden. Zudem leiden viele Patienten nicht nur an einer Erkrankung, auch Herzinfarkt, Schlaganfall, GefĂ€Ăerkrankungen und andere Krebsarten, wie Blasenkrebs können direkt auf das Rauchen zurĂŒckgefĂŒhrt werden.â
FĂŒr Ăsterreich wurde geschĂ€tzt, dass im Jahr 2021 rund 8.500 TodesfĂ€lle â also etwa zehn Prozent aller TodesfĂ€lle â auf Tabakrauchen inklusive Passivrauchen zurĂŒckzufĂŒhren waren.
Rauchstopp lohnt sich â in jeder Lebensphase
Laut Epidemiologiebericht Sucht 2025 denkt rund die HĂ€lfte der tĂ€glich oder fast tĂ€glich Rauchenden darĂŒber nach, mit dem Rauchen aufzuhören. Gleichzeitig zeigt sich, wie schwierig der Ausstieg sein kann: Rund 36 Prozent der tĂ€glich Rauchenden gaben an, im Jahr davor erfolglos versucht zu haben, mit dem Rauchen aufzuhören â das entspricht hochgerechnet etwa 570.000 Personen.
Prim. Ecker ermutigt: âEin Rauchstopp lohnt sich in jedem Alter und der Körper beginnt bereits nach kurzer Zeit, sich zu erholen. Professionelle UnterstĂŒtzung, Nikotinersatztherapien und verhaltenstherapeutische Angebote erhöhen die Erfolgschancen deutlich. RĂŒckfĂ€lle können vorkommen und sollten nicht als Scheitern verstanden werden, sondern als Teil eines Lernprozesses. Entscheidend ist, dranzubleiben, sich zeitlich begrenzte und realistische Ziele zu setzen, da unser Gehirn damit leichter umgehen kann, und sich gegebenenfalls UnterstĂŒtzung zu holen.â
Auch Prim. Schindler ergĂ€nzt: âEin frĂŒher Rauch-Stopp ist wichtig, da sich das Risiko fĂŒr Folgeerkrankungen erst nach mehreren Jahren reduziert. Zu beachten ist, dass auch e-Zigaretten zu Lungenerkrankungen fĂŒhren können.â
Zudem ist es ihm zum Weltnichtraucher-Tag ein besonderes Anliegen, an die Verantwortung als Gesellschaft zu erinnern: âDurch wenige einfache prĂ€ventive MaĂnahmen und Vorbildwirkung können wir uns und der kĂŒnftigen Generation durch einen gesunden Lebensstil und kompletten Nikotinverzicht Krankheiten ersparen.â
KAGes: Rauchfreie Gesundheitseinrichtungen als gelebte Verantwortung
FĂŒr die KAGes ist Nichtraucherschutz Teil ihrer Verantwortung als Gesundheitsunternehmen. In den steirischen LandeskrankenhĂ€usern, Landespflegezentren und weiteren Einrichtungen der KAGes gilt daher das Prinzip rauchfreier Bereiche: GebĂ€ude, Balkone, Terrassen und unmittelbare Zugangsbereiche sind rauchfrei; geraucht werden darf ausschlieĂlich in entsprechend gekennzeichneten Bereichen im Freien.
Damit schĂŒtzt die KAGes Patientinnen, Bewohnerinnen, Mitarbeiterinnen und Besucherinnen vor Passivrauch und setzt ein sichtbares Zeichen fĂŒr PrĂ€vention und Gesundheitsförderung. Nichtraucherschutz beginnt nicht erst bei der Behandlung rauchbedingter Erkrankungen, sondern bereits bei der Gestaltung eines gesundheitsförderlichen Umfelds im Krankenhaus- und Pflegealltag.
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